Fast jede Enttäuschung bei der Spitex-Rechnung geht auf dieselbe Ursache zurück: Die Vorstellung, «die Kasse zahlt die Spitex», stimmt nur zur Hälfte. Was übernommen wird, steht in Artikel 7 der Krankenpflege-Leistungsverordnung, und diese Aufzählung ist abschliessend. Die Krankenkassen dürfen aus der Grundversicherung nur Beiträge an die dort ausdrücklich genannten Pflegemassnahmen leisten.
Das Wichtigste in Kürze
- Drei Leistungsarten sind vergütungsfähig, mit unterschiedlichen Stundenansätzen
- Behandlungspflege braucht eine ärztliche Anordnung, Grundpflege nicht
- Betreuung, Hauswirtschaft und Pension sind nie Kassenleistung
- Die Kasse zahlt einen fixen Beitrag, nicht die vollen Kosten
- Abgerechnet wird in Einheiten von fünf Minuten, mindestens zehn Minuten
Welche Pflegeleistungen zahlt die Krankenkasse nach KLV Art. 7?
Die Krankenkasse leistet Beiträge an drei Arten von Pflege zu Hause: Abklärung und Beratung, Behandlungspflege und Grundpflege. Betreuung, Haushalt und Gesellschaft gehören nicht dazu. Die Liste in Art. 7 der Krankenpflege-Leistungsverordnung (KLV) ist abschliessend. Pro Stunde zahlt die Kasse fixe Beiträge nach Art. 7a KLV, schweizweit gleich: 76.90 Franken für Abklärung, Beratung und Koordination, 63.00 Franken für Behandlungspflege wie Wundversorgung oder Injektionen und 52.60 Franken für Grundpflege wie Hilfe beim Waschen, Anziehen oder Essen. Abgerechnet wird in Einheiten von fünf Minuten, mindestens zehn Minuten. Die vollen Kosten deckt das nicht. Den Rest finanzieren Kanton oder Wohnsitzgemeinde, im Kanton Zürich die Gemeinde, und Sie selbst tragen eine Patientenbeteiligung, im Kanton Zürich 7.65 Franken pro Pflegetag (Stand August 2026). Abklärung und Behandlungspflege dürfen nur diplomierte Pflegefachpersonen erbringen. Grundpflege dürfen auch angestellte Angehörige ohne Pflegeausbildung leisten, sofern eine Fachperson sie begleitet.
Die drei Leistungsarten im Einzelnen
Abklärung, Beratung und Koordination. Dazu gehört die Bedarfsermittlung selbst sowie die Beratung von Patientin und Angehörigen. Diese Leistungen dürfen nur diplomierte Pflegefachpersonen erbringen.
Untersuchung und Behandlung, kurz Behandlungspflege. Medikamente vorbereiten und verabreichen, Wundversorgung, Blutdruck und Blutzucker messen, Injektionen, Verbände. Auch diese Leistungen sind Pflegefachpersonen vorbehalten, und sie dürfen nur auf ärztliche Anordnung oder im ärztlichen Auftrag erbracht werden.
Grundpflege. Hilfe bei der Körper- und Mundpflege, beim An- und Auskleiden, beim Essen und Trinken, Betten, Lagern, Mobilisieren, Bewegungsübungen, Dekubitusprophylaxe, Kompressionsstrümpfe anziehen. Dazu kommen Massnahmen zur Unterstützung psychisch kranker Menschen im Alltag. Grundpflege braucht keine ärztliche Anordnung, und sie ist die einzige Kategorie, die auch angestellte Angehörige ohne Pflegeausbildung erbringen dürfen.
Warum Grundpflege günstiger vergütet wird
Der Gesetzgeber hat für Behandlungspflege bewusst höhere Beiträge festgesetzt als für Grundpflege. Der Grund: Behandlungsmassnahmen sind auf die Behebung eines Gesundheitsschadens gerichtet und dürfen nur von entsprechend qualifizierten Personen ausgeführt werden. Der Unterschied im Ansatz bildet den Unterschied in der Qualifikation ab.
Was die Kasse nicht zahlt
Für diese Leistungen müssen Sie grundsätzlich selbst aufkommen:
- Betreuung, Begleitung, Beaufsichtigung, Gesellschaft leisten
- Hauswirtschaftliche Leistungen: Einkaufen, Kochen, Putzen, Waschen
- Fahrdienste, Behördengänge, Administration
- Pension bei einem Aufenthalt im Pflegeheim
Manche Zusatzversicherungen beteiligen sich an hauswirtschaftlichen Spitex-Leistungen. Die Grundversicherung tut es nicht. Bei den Tarifen für Hauswirtschaft unterscheiden sich die Anbieter zudem erheblich; fragen Sie vorher nach.
Braucht es für Grundpflege eine ärztliche Verordnung?
Nein. Seit dem 1. Juli 2024 dürfen Pflegefachpersonen Grundpflege sowie Abklärung und Beratung ohne ärztliche Anordnung zulasten der Krankenkasse erbringen. Nur Behandlungspflege braucht weiterhin eine Anordnung der Ärztin oder des Arztes. Die Änderung geht auf die Umsetzung der Pflegeinitiative im Krankenversicherungsgesetz zurück, das Bundesamt für Gesundheit beschreibt sie in seiner Übersicht zu den Pflegeleistungen. Statt eines Arztzeugnisses steht am Anfang die Bedarfsermittlung nach Art. 8a der Krankenpflege-Leistungsverordnung. Eine diplomierte Pflegefachperson ermittelt den Bedarf gemeinsam mit Ihnen oder Ihren Angehörigen und hält den Zeitaufwand auf einem einheitlichen Formular fest. Die Ärztin oder der Arzt erhält die Abklärung zur Kenntnis. Spätestens nach neun Monaten wird der Bedarf neu ermittelt, wenn die Pflege weitergeht. Für Wundversorgung, Injektionen oder das Richten von Medikamenten braucht es dagegen eine ärztliche Anordnung. Wer Grundpflege bezieht, zahlt im Kanton Zürich eine Patientenbeteiligung von 7.65 Franken pro Pflegetag (Stand August 2026).
Wie hoch ist die Patientenbeteiligung bei Pflege zu Hause?
Die Patientenbeteiligung beträgt im Kanton Zürich 7.65 Franken pro Tag, an dem Sie Pflegeleistungen beziehen (Stand August 2026). Gesamtschweizerisch darf sie höchstens 15.35 Franken pro Tag betragen. Die Obergrenze steht in Art. 25a des Krankenversicherungsgesetzes: höchstens 20 Prozent des höchsten Pflegebeitrags der Krankenkasse, also von 76.90 Franken. Die meisten Kantone setzen tiefer an, Zürich verlangt 10 Prozent. Die Beteiligung bleibt gleich, ob an einem Tag eine halbe Stunde oder drei Stunden Pflege anfallen. Bei täglicher Pflege kommen im Kanton Zürich in 30 Tagen 229.50 Franken zusammen. Für Personen bis zum vollendeten 18. Altersjahr wird keine Beteiligung erhoben. Die Patientenbeteiligung kommt zusätzlich zu Franchise und Selbstbehalt der Krankenversicherung. Sie wird Ihnen direkt von der Spitex-Organisation verrechnet. Bei Leistungen über die Unfall- oder Invalidenversicherung gibt es keine Patientenbeteiligung. Die restlichen Kosten der Pflege übernehmen Krankenkasse und Kanton oder Wohnsitzgemeinde gemeinsam, im Kanton Zürich die Gemeinde.
Eine Stunde Grundpflege im Kanton Zürich
- Vollkosten der Leistung
- je nach Anbieter
- Beitrag der Krankenkasse
- CHF 52.60
- Patientenbeteiligung pro Pflegetag
- CHF 7.65
- Restkosten
- Wohnsitzgemeinde
Die Gemeinde übernimmt die verbleibende Lücke. Besteht keine Leistungsvereinbarung mit der Spitex-Organisation, ist ihr Beitrag auf das kantonale Normdefizit begrenzt; eine allfällige Unterdeckung geht zulasten des Leistungserbringers, nicht zu Ihren Lasten.
Kantonaler Geltungsbereich
Patientenbeteiligung und Restkostenfinanzierung gelten hier für den Kanton Zürich, Stand August 2026. Die Stundenansätze der Krankenkasse nach Art. 7a KLV sind dagegen schweizweit einheitlich und werden vom Bundesrat festgelegt.
Was 2032 ändert
Mit der einheitlichen Finanzierung aller Leistungen des Krankenversicherungsgesetzes werden Pflegeleistungen ab dem 1. Januar 2032 nicht mehr über Beiträge, sondern über Tarife vergütet. Der Bundesrat hat die Tarifpartner aufgefordert, dabei auch die Situation pflegender Angehöriger zu berücksichtigen. Was das konkret bedeutet, ist offen; wir aktualisieren diesen Beitrag, sobald die Tarife absehbar sind.
Unklar, was in Ihrem Fall übernommen wird?
Wir gehen die Leistungen und die Finanzierung mit Ihnen durch.
Häufige Fragen
Wie oft muss der Pflegebedarf neu ermittelt werden?
Spätestens alle neun Monate, wenn die Leistungen fortgesetzt werden.
Zahlt die Kasse auch ohne Arztbesuch?
Für Grundpflege sowie Abklärung und Beratung ja. Behandlungspflege setzt eine ärztliche Anordnung voraus.
Kann ich Hilflosenentschädigung und Kassenbeiträge gleichzeitig beziehen?
Ja. Das Bundesgericht hat seine Rechtsprechung geändert und hält fest, dass bei der Kumulation von Pflegebeiträgen nach KVG und einer Hilflosenentschädigung keine Überentschädigung vorliegt.
Gilt das auch bei Unfall oder IV?
Nein, dann greifen andere Regeln. Bei Leistungen über Unfall- oder Invalidenversicherung gibt es weder Restkostenfinanzierung noch Patientenbeteiligung.



