Wer einen Vater, eine Partnerin oder ein Kind pflegt, tut das in aller Regel unbezahlt. Das Bundesamt für Statistik schätzt, dass 2024 rund 465'000 Menschen in der Schweiz eine erwachsene Person pflegten. Der monetäre Wert dieser unbezahlten Pflege und Betreuung lag 2020 bei 3,4 Milliarden Franken.
Seit einem Bundesgerichtsurteil von 2019 kann ein Teil dieser Arbeit zu einem regulären Anstellungsverhältnis werden. Dieser Beitrag erklärt, wie hoch der Lohn dabei ausfällt, woher das Geld kommt und wo die Grenzen liegen.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Bruttolohn liegt im Kanton Zürich üblicherweise bei 30 bis 40 Franken pro Stunde
- Bezahlt wird nur Grundpflege nach KLV Art. 7 Abs. 2 Bst. c, nicht Betreuung, nicht Haushalt
- Die Krankenkasse steuert 52.60 Franken pro Stunde bei, den Rest tragen Gemeinde und pflegebedürftige Person
- Das durchschnittliche Pensum liegt bei 20 bis 25 Prozent; ein Vollzeitlohn ist die Ausnahme
- Der Kanton Zürich hat die Restkostenfinanzierung für Angehörigenpflege deutlich gesenkt
Wie viel verdienen pflegende Angehörige in der Schweiz?
PRICA zahlt pflegenden Angehörigen im Durchschnitt CHF 35 brutto pro Stunde (Stand 2026). Marktüblich sind im Kanton Zürich 30 bis 40 Franken pro Stunde, eine Behörde legt den Lohn nicht fest. Eine schweizweite Erhebung im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit weist für Spitex-Organisationen Lohnkosten von durchschnittlich 39 Franken pro Stunde aus. Wie viel am Monatsende bleibt, entscheidet aber vor allem der Umfang. Bezahlt wird nur Grundpflege nach Art. 7 der Krankenpflege-Leistungsverordnung (KLV): Hilfe beim Waschen, Anziehen, Essen und Trinken oder beim Mobilisieren. Wie viel Zeit dafür nötig ist, ermittelt eine diplomierte Pflegefachperson vor dem Start. Laut derselben Erhebung arbeiten angestellte Angehörige im Durchschnitt in einem Pensum von 20 bis 25 Prozent. Wer täglich zwei Stunden Grundpflege leistet, kommt bei CHF 35 auf rund CHF 2'100 brutto im Monat. Für Betreuung, Haushalt und Gesellschaft zahlt die Krankenkasse keinen Lohn. Je nach Situation lassen sich diese Leistungen über Ergänzungsleistungen oder die Gemeinde vergüten.
Zwei Stunden Grundpflege täglich
- Grundpflege pro Tag
- 2.0 Stunden
- Bruttolohn pro Stunde (Annahme: Mitte der Spanne)
- CHF 35.00
- Bruttolohn pro Tag
- CHF 70.00
- Bruttolohn pro Monat (30 Tage)
- CHF 2'100.00
- Arbeitnehmerbeiträge AHV/IV/EO/ALV, ca. 6,4 %
- –CHF 134.40
- Pensionskasse und weitere Abzüge
- individuell
- Nettolohn ungefähr
- CHF 1'900 bis 1'950
Rechnen wir mit 35 Franken, also der Mitte der Spanne von 30 bis 40 Franken. Gepflegt wird an sieben Tagen pro Woche, nicht an fünf: Zwei Stunden täglich entsprechen deshalb eher einem 30-Prozent-Pensum. Wer eine Stunde täglich pflegt, kommt auf rund die Hälfte.
Kantonaler Geltungsbereich
Die genannten Ansätze und Regeln gelten für den Kanton Zürich, Stand August 2026. Restkostenfinanzierung und Patientenbeteiligung sind kantonal geregelt und unterscheiden sich teils erheblich. In einzelnen Kantonen gibt es für Leistungen pflegender Angehöriger gar keine Restfinanzierung.
Wer bezahlt den Lohn pflegender Angehöriger?
Den Lohn zahlt die Spitex-Organisation, bei der Sie angestellt sind. Finanziert wird er von der Krankenkasse, der Wohnsitzgemeinde und mit einem kleinen Tagesbeitrag von der gepflegten Person. Die Krankenkasse zahlt pro Stunde Grundpflege einen fixen Beitrag von 52.60 Franken. Dieser Betrag steht in Art. 7a der Krankenpflege-Leistungsverordnung und ist schweizweit gleich. Die gepflegte Person beteiligt sich im Kanton Zürich mit 7.65 Franken pro Tag, an dem sie Pflegeleistungen bezieht (Stand August 2026). Bei Personen unter 18 Jahren entfällt diese Beteiligung. Die Restkosten übernimmt die Wohnsitzgemeinde. Hat die Spitex-Organisation keine Leistungsvereinbarung mit der Gemeinde, ist deren Beitrag auf das kantonale Normdefizit begrenzt. Für Angehörigenpflege liegt es im Kanton Zürich bei 15.75 Franken pro Stunde, abzüglich Patientenbeteiligung. Eine Unterdeckung trägt die Organisation, nicht die gepflegte Person. Aus eigener Tasche bezahlt die Familie für die Pflege also nur die Patientenbeteiligung, dazu Franchise und Selbstbehalt der Krankenkasse.
Was hat der Kanton Zürich bei der Angehörigenpflege geändert?
Der Kanton Zürich zahlt Spitex-Organisationen für Pflege durch angestellte Angehörige weniger Restkosten als für reguläres Personal. Das separate Normdefizit beträgt 15.75 Franken pro Stunde, abzüglich Patientenbeteiligung. Bis 2025 galten für beide Fälle 30.30 Franken pro Stunde. So hat es die Gesundheitsdirektion in ihrer Medienmitteilung vom 14. August 2025 angekündigt. Die Begründung: Wenn Angehörige pflegen, fallen keine Wegzeiten an und ein Teil des administrativen Aufwands entfällt, die Kosten der Organisation sind also tiefer. Der Beitrag der Krankenkasse von 52.60 Franken pro Stunde Grundpflege bleibt davon unberührt, weil ihn der Bund schweizweit festlegt. Für pflegende Angehörige ändert sich am Stundenlohn vorerst nichts. Der finanzielle Spielraum der Spitex-Organisationen wird aber kleiner. Gleichzeitig hat der Kanton präzisiert, welche Ausbildung und Begleitung er verlangt: Eine Fachperson meldet sich mindestens alle zwei Wochen telefonisch und kommt einmal im Monat vorbei. Wer heute deutlich höhere Löhne verspricht, sollte erklären können, wie er das mit den tieferen Ansätzen finanziert.
Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli hat das Modell als sinnvolle Ergänzung bezeichnet, zugleich aber festgehalten, es dürfe nicht zur Bereicherung einzelner Organisationen führen.
Was zusätzlich zusteht
Der Lohn ist nicht das einzige finanzielle Instrument. Wer Verwandte in auf- oder absteigender Linie oder Geschwister mit Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung betreut, kann Betreuungsgutschriften der AHV geltend machen, jährlich und schriftlich. Und das Bundesgericht hat 2024 entschieden, dass Pflegebeiträge nach KVG und Hilflosenentschädigung nebeneinander bezogen werden dürfen, ohne dass eine Überentschädigung vorliegt.
Wo der Lohn aufhört
Vergütet wird ausschliesslich Grundpflege: Hilfe bei Körperpflege, beim An- und Auskleiden, beim Essen und Trinken, Lagern, Mobilisieren, Kompressionsstrümpfe anziehen.
Nicht vergütet werden Betreuung, Gesellschaft leisten, Einkaufen, Kochen, Putzen, Fahrdienste und Behördengänge. Genau diese Aufgaben machen in der Praxis oft den grösseren Teil aus. Wer mit dem Gedanken spielt, deswegen die Erwerbsarbeit aufzugeben, sollte vorher rechnen, nicht schätzen.
Rechnen Sie mit Ihren eigenen Zahlen
Stunden und Pflegeart eingeben, unverbindliche Richtgrösse erhalten.
Häufige Fragen
Muss ich eine Ausbildung haben?
Nicht bei Stellenantritt. Spätestens ein Jahr danach muss ein Kurs in Pflegehilfe oder eine gleichwertige Ausbildung absolviert sein. Diese Frist stammt aus den gesamtschweizerischen Vereinbarungen mit den Krankenversicherern und gilt nicht nur im Kanton Zürich.
Ist der Lohn steuerpflichtig?
Ja. Es handelt sich um ein reguläres Arbeitsverhältnis mit Lohnausweis, AHV-Pflicht und je nach Pensum Pensionskassenanschluss.
Kann ich pflegen und daneben weiterarbeiten?
Ja, das ist der Regelfall. Bei durchschnittlich 20 bis 25 Prozent Pensum bleibt die bisherige Erwerbstätigkeit meist bestehen.
Bekomme ich rückwirkend Lohn für die letzten Jahre?
Nein. Vergütet wird ab Anstellungsbeginn und nur auf Basis einer vorgängigen Bedarfsermittlung.



