Zum Hauptinhalt springen
Logo von PRICA Pflege

Angehörigenpflege

Pflegende Angehörige anstellen: Voraussetzungen, Ablauf und Grenzen

PRICA Redaktion· Veröffentlicht · Aktualisiert · Fachlich geprüft von Sönke Hansen, Gesundheits- und Krankenpfleger, Praxisanleiter (08/2026)· 8 Min. Lesezeit
Zuletzt geändert am 21.10.2026: Antwortblöcke ergänzt; neue Regeln im Aargau und Pläne der Politik (Motion 26.3012) aufgenommen
  • : Antwortblöcke ergänzt; neue Regeln im Aargau und Pläne der Politik (Motion 26.3012) aufgenommen

Kurz beantwortet

Für die Anstellung braucht es eine pflegebedürftige Person mit ausgewiesenem Grundpflegebedarf, eine zugelassene Spitex als Arbeitgeberin und eine Bedarfsermittlung durch eine diplomierte Pflegefachperson. Eine Pflegeausbildung ist anfangs nicht nötig; ein Kurs in Pflegehilfe folgt im ersten Jahr.

Inhalt
  1. Kann ich meine Mutter pflegen und dafür angestellt werden?
  2. Die rechtliche Grundlage
  3. Wer gilt als pflegende Angehörige oder pflegender Angehöriger?
  4. Der Ablauf in drei Schritten
  5. Wer die Behandlungspflege übernimmt
  6. Welche Regeln gelten in den Kantonen für angestellte Angehörige?
  7. Was plant die Politik bei der Anstellung Angehöriger?
Angehörige lernt am Laptop im Pflegehelferkurs, eine Pflegefachfrau erklärt per Video

Die Anstellung pflegender Angehöriger ist kein Sonderprogramm und keine Sozialleistung. Sie ist ein reguläres Arbeitsverhältnis bei einer Spitex-Organisation, die dafür Leistungen zulasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung abrechnet. Entsprechend gelten die Regeln des Krankenversicherungsgesetzes.

Kann ich meine Mutter pflegen und dafür angestellt werden?

Ja, wenn Ihre Mutter dauerhaft Grundpflege braucht und eine zugelassene Spitex-Organisation Sie dafür anstellt. Eine Pflegeausbildung brauchen Sie zum Start nicht. Den Pflegehelferkurs (SRK oder ZPA) absolvieren Sie innerhalb des ersten Jahres. Möglich macht das ein Urteil des Bundesgerichts vom 18. April 2019 (BGE 145 V 161): Angehörige ohne Pflegeausbildung dürfen Grundpflege leisten, wenn diplomiertes Pflegepersonal sie begleitet und überwacht. Bezahlt wird nur, was eine Pflegefachperson als Bedarf ermittelt hat, etwa Hilfe beim Waschen, Anziehen oder Essen. Reine Betreuung oder Haushaltshilfe genügen nicht. Eine ärztliche Verordnung braucht es für Grundpflege seit dem 1. Juli 2024 nicht mehr. Sie werden regulär nach Obligationenrecht angestellt, mit AHV, Ferien und Lohnfortzahlung bei Krankheit. PRICA zahlt im Durchschnitt CHF 35 brutto pro Stunde (Stand 2026). Üblich ist ein Pensum von 20 bis 25 Prozent, die meisten behalten daneben ihre bisherige Stelle. Verwandt sein müssen Sie nicht. Auch eine Nachbarin oder ein enger Freund kann angestellt werden.

Die rechtliche Grundlage

Das Bundesgericht hat am 18. April 2019 entschieden, dass Organisationen der Krankenpflege und Hilfe zu Hause für die allgemeine Grundpflege auch Angehörige ohne professionelle Pflegeausbildung einsetzen dürfen. Voraussetzung ist, dass die Organisation die notwendige Überwachung und Begleitung durch diplomiertes Pflegepersonal sicherstellt.

Damit bestätigte das Bundesgericht, wie der Bundesrat in seinem Bericht vom 15. Oktober 2025 festhält, das Urteil K 156/04 des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 21. Juni 2006. Der Bundesrat hat im Oktober 2025 festgehalten, dass dem Modell nichts entgegensteht, solange die Anforderungen an Wirtschaftlichkeit und Qualität eingehalten werden.

Die vier Voraussetzungen

  • Ausgewiesener Pflegebedarf: ermittelt von einer diplomierten Pflegefachperson, gemeinsam mit der gepflegten Person oder den Angehörigen
  • Zugelassene Arbeitgeberin: eine Spitex-Organisation mit kantonaler Betriebsbewilligung und OKP-Zulassung
  • Begleitung durch Fachpersonal: regelmässig, im Kanton Zürich mindestens zweiwöchentlich telefonisch und monatlich vor Ort
  • Ausbildung in Pflegehilfe: spätestens ein Jahr nach Stellenantritt (gesamtschweizerische Vereinbarungen mit den Krankenversicherern)

Wer gilt als pflegende Angehörige oder pflegender Angehöriger?

Als pflegende Angehörige gilt, wer eine Person regelmässig und verbindlich unterstützt. Verwandtschaft ist dafür nicht nötig, und ein gemeinsamer Haushalt auch nicht. Eine gesetzliche Definition gibt es in der Schweiz nicht. Der Bundesrat hat 2025 geprüft, ob es eine bräuchte, und hält eine allgemeingültige Definition für «grundsätzlich nicht zielführend» (Bericht vom 15. Oktober 2025, Ziffer 4.1). Jede Definition enthalte einschränkende Elemente und könne Personen ausschliessen, deren Einsatz als Pflegeperson sinnvoll wäre. In der Praxis stellt der Spitex Verband Kanton Zürich deshalb auf die regelmässige und substanzielle Unterstützung ab, dazu auf Verantwortung und Verbindlichkeit gegenüber der gepflegten Person. Neben Kindern, Eltern und Partnern können so auch Nachbarinnen oder enge Freunde angestellt werden. Mehrere Personen können sich die Pflege teilen, sofern der ermittelte Bedarf dafür reicht. Massgebend ist immer der Pflegebedarf der gepflegten Person, nicht die Zahl der Helfenden. Diesen Bedarf ermittelt eine diplomierte Pflegefachperson nach Art. 8a der Krankenpflege-Leistungsverordnung.

Der Ablauf in drei Schritten

Erstgespräch und Standortbestimmung. Geklärt wird, ob überhaupt Grundpflegebedarf besteht und in welchem Umfang. Ohne Pflegebedarf im Sinne der KLV gibt es keine Anstellung; reine Betreuung oder Haushaltshilfe genügt nicht.

Bedarfsermittlung durch eine Pflegefachperson. Diese ist gesetzlich vorgeschrieben und wird ausschliesslich von einer diplomierten Pflegefachperson vorgenommen, in Zusammenarbeit mit der gepflegten Person oder den Angehörigen. Sie erfasst die Gesamtsituation und das Umfeld, hält den voraussichtlichen Zeitaufwand auf einem einheitlichen Formular fest und geht an die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt. Spätestens nach neun Monaten muss sie wiederholt werden.

Arbeitsvertrag und Start. Es gelten die Bestimmungen des Obligationenrechts zum Arbeitsvertrag, mit Lohnfortzahlung bei Krankheit, Ferienanspruch, Kündigungsschutz und dem Weisungsrecht der Arbeitgeberin. Sozialversicherungsrechtlich sind angestellte Angehörige den übrigen Mitarbeitenden gleichgestellt.

Bedarfsermittlung

Die Bedarfsermittlung nach Art. 8a KLV ist die formelle Grundlage jeder Abrechnung. Sie legt fest, welche Grundpflegemassnahmen in welchem zeitlichen Umfang notwendig sind. Der Krankenversicherer kann verlangen, dass ihm die Elemente der Bedarfsermittlung mitgeteilt werden. Ein höherer Zeitaufwand, nur weil eine angehörige statt einer fremden Person pflegt, ist nicht zulässig; die Ermittlung muss sich daran orientieren, was für eine nicht angehörige Pflegekraft anfallen würde.

Wann das Modell nicht passt

  • Wenn nur Betreuung gebraucht wird. Gesellschaft, Fahrdienste, Haushalt und Behördengänge sind keine Pflegeleistungen und werden nicht vergütet.
  • Wenn medizinische Behandlungspflege im Vordergrund steht. Wundversorgung, Medikamentenrichten, Blutdruckmessung und Injektionen dürfen nur Pflegefachpersonen erbringen. Angestellte Angehörige ohne entsprechende Ausbildung dürfen diese Leistungen nicht zulasten der Krankenkasse abrechnen.
  • Wenn die Pflege die pflegende Person überfordert. Eine Anstellung macht die Belastung nicht kleiner, sie macht sie nur bezahlt. Bei Demenz im fortgeschrittenen Stadium oder rund um die Uhr nötiger Präsenz ist ein professionelles Setting oft die bessere Lösung.

Wer die Behandlungspflege übernimmt

Ein Punkt, der oft untergeht: Braucht die gepflegte Person neben Grundpflege auch Behandlungspflege, muss die Organisation beides leisten können. Der Bundesrat hält im Bericht von 2025 fest, dass es weder zweckmässig noch wirtschaftlich ist, wenn eine zweite Spitex-Organisation nur für die Behandlungspflege zugezogen wird. Zwei Organisationen bedeuten doppelte Abklärungen, Koordinationsaufwand und ein erhöhtes Risiko, dass Verschlechterungen zu spät bemerkt werden.

Fragen Sie eine Anbieterin deshalb konkret, ob sie eigenes diplomiertes Pflegefachpersonal beschäftigt und ob sie auch Behandlungspflege, Wochenenden und Ferienvertretungen abdeckt.

Welche Regeln gelten in den Kantonen für angestellte Angehörige?

Schweizweit gilt: Angestellte Angehörige brauchen eine zugelassene Arbeitgeberin, Begleitung durch Fachpersonal und spätestens ein Jahr nach Stellenantritt einen Kurs in Pflegehilfe. Darüber hinaus regeln die Kantone das Modell sehr unterschiedlich. Gemäss einer Umfrage des Bundes hatten 2025 sieben Kantone spezifische Vorgaben erlassen, 19 Kantone hatten keine (Bericht des Bundesrats vom 15. Oktober 2025, Ziffer 4.4). Die Jahresfrist für den Kurs stammt aus den gesamtschweizerischen Vereinbarungen mit den Krankenversicherern. Der Kanton Zürich ist strenger. Nach dem Merkblatt des Amts für Gesundheit (Stand August 2026) meldet sich eine Pflegefachperson mindestens alle zwei Wochen telefonisch und besucht die Pflegesituation monatlich vor Ort. Zudem hat Zürich für Angehörigenpflege ein tieferes Normdefizit von 15.75 Franken pro Stunde festgelegt. Auch der Aargau regelt das Modell seit dem 1. Juli 2026 in seiner Pflegeverordnung: Telefonkontakt alle zwei Wochen, mindestens ein Besuch einer diplomierten Pflegefachperson pro Monat und der Kurs Pflegehilfe SRK oder ein gleichwertiger Kurs innerhalb eines Jahres. Unabhängig vom Kanton muss die Spitex-Organisation eine kantonale Betriebsbewilligung und eine Zulassung zur obligatorischen Krankenpflegeversicherung haben.

Kantonaler Geltungsbereich

Die Vorgaben zur Begleitung entsprechen dem Merkblatt des Amts für Gesundheit des Kantons Zürich, Stand August 2026. Die Jahresfrist für den Kurs in Pflegehilfe gilt dagegen gesamtschweizerisch. Andere Kantone regeln dies unterschiedlich: Gemäss einer Umfrage des Bundes hatten 2025 sieben Kantone spezifische Vorgaben erlassen, 19 hatten keine (Bericht des Bundesrats vom 15. Oktober 2025, Ziffer 4.4).

Was plant die Politik bei der Anstellung Angehöriger?

Das Parlament will genauer festlegen, welche Grundpflege angestellte Angehörige zulasten der Krankenkasse leisten und wie diese Leistungen vergütet werden. Der Ständerat hat der Motion 26.3012 im März 2026 zugestimmt, der Nationalrat am 29. September 2026 mit 186 zu 0 Stimmen. Jetzt muss der Bundesrat eine Vorlage ausarbeiten. Die vorberatende Kommission des Ständerats strebt dabei auch tiefere Beiträge der Krankenversicherung für diese Leistungen an.

Für Sie ändert sich heute nichts. Bis eine neue Regel in Kraft ist, gilt das heutige Modell mit Arbeitsvertrag, Lohn und Begleitung durch Fachpersonal. Wann sie kommt und wie sie aussieht, ist noch offen. Wir verfolgen die Vorlage und ergänzen diesen Ratgeber, sobald es Neues gibt.

Passt das Modell zu Ihrer Situation?

Wir klären das im Erstgespräch, unverbindlich und ohne Verkaufsdruck.

Häufige Fragen

Was ändert sich 2026 und 2027 für pflegende Angehörige?

Im Aargau gelten seit dem 1. Juli 2026 feste Regeln für angestellte Angehörige: Telefonkontakt alle zwei Wochen, mindestens ein Besuch einer diplomierten Pflegefachperson pro Monat und der Kurs Pflegehilfe innerhalb eines Jahres. National hat das Parlament im September 2026 die Motion 26.3012 angenommen. Der Bundesrat muss nun festlegen, welche Grundpflege durch angestellte Angehörige die Krankenkasse vergütet und wie hoch. Bis dahin ändert sich an der Anstellung nichts.

Auf den 1. Januar 2027 steigen die AHV- und IV-Renten um rund 1.6 Prozent, ebenso der Lebensbedarf bei den Ergänzungsleistungen. Die neuen Beträge der Hilflosenentschädigung tragen wir nach, sobald sie offiziell publiziert sind.

Braucht es eine ärztliche Anordnung?

Für Grundpflege nicht. Sie kann ohne ärztliche Anordnung erbracht werden. Die Bedarfsermittlung ist trotzdem zwingend und geht der Ärztin zur Kenntnis.

Können mehrere Angehörige gleichzeitig angestellt werden?

Grundsätzlich ja, sofern der ermittelte Pflegebedarf das hergibt. Der Bedarf richtet sich nach der pflegebedürftigen Person, nicht nach der Zahl der Helfenden.

Was passiert bei Ferien oder Krankheit?

Die Organisation muss genug Personal haben, um angestellte Angehörige in Ruhezeiten, Ferien oder bei Krankheit zu vertreten. Der Bundesrat fordert das von den Organisationen ausdrücklich (Bericht vom 15. Oktober 2025). Fragen Sie deshalb vor der Anstellung, wie die Vertretung geregelt ist.

Gilt das Arbeitsgesetz?

Bei einer Anstellung durch eine Spitex-Organisation gelten jedenfalls die Arbeitsvertragsregeln des Obligationenrechts. Die Anwendbarkeit des Arbeitsgesetzes auf Pflege in Privathaushalten ist rechtlich differenziert; klären Sie das mit Ihrer Arbeitgeberin.

Quellen

  1. Bundesgericht: BGE 145 V 161 vom 18. April 2019
  2. Der Bundesrat: Pflegeleistungen von Angehörigen im Rahmen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung. Bericht vom 15. Oktober 2025, insbesondere S. 1, 14, 18, 22 und 49
  3. Kanton Zürich, Gesundheitsdirektion: Medienmitteilung vom 14. August 2025
  4. Bundeskanzlei, Fedlex: Krankenpflege-Leistungsverordnung KLV, SR 832.112.31, Art. 7, 7a und 8a
  5. Bundeskanzlei, Fedlex: Verordnung über die Krankenversicherung KVV, SR 832.102, Art. 49 und 51
  6. Schweizer Parlament: Motion 26.3012 SGK-S, Grundpflegeleistungen pflegender Angehöriger: Abstimmung im Nationalrat vom 29. September 2026
  7. Kanton Aargau: Änderung der Pflegeverordnung vom 27. Mai 2026, in Kraft seit 1. Juli 2026 (AGS 2026/05-13)

Sönke Hansen

Fachliche Prüfung Ratgeber · Gesundheits- und Krankenpfleger, Praxisanleiter

Sönke Hansen ist Gesundheits- und Krankenpfleger mit deutscher Ausbildung und staatlich anerkannter Praxisanleiter. Seit 16 Jahren arbeitet er in der Pflege, vor allem in der Psychiatrie und der Neurologie. Bei PRICA ist er für die fachliche Prüfung zuständig: Er liest die Ratgeber-Beiträge und die Seiten zu Pflegesituationen gegen, bevor sie erscheinen.

Profil von Sönke Hansen ansehen

Fragen zu Ihrer Situation?

Rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns. Das erste Gespräch ist kostenfrei.

Weitere Beiträge

Darstellung anpassen

Textgrösse

Ihre Auswahl wird nur auf diesem Gerät gespeichert und nicht an uns übertragen.

Texte in Leichter SpracheBarriere melden