Der Begriff «private Spitex» weckt Misstrauen, als handle es sich um eine Zweitklasslösung oder eine teure Alternative. Rechtlich stimmt weder das eine noch das andere. Es lohnt sich trotzdem, genau hinzuschauen, denn zwischen den Anbietern gibt es reale Unterschiede. Nur liegen sie an anderer Stelle, als die meisten vermuten.
Das Wichtigste in Kürze
- Für die Kassenbeiträge ist die Trägerschaft ohne Bedeutung
- Beide Formen brauchen eine kantonale Betriebsbewilligung und eine OKP-Zulassung
- Gemeindespitexen haben in der Regel einen Versorgungsauftrag, private Anbieter oft nicht
- Bei der Restfinanzierung wird zwischen beauftragten und nicht beauftragten Organisationen unterschieden
- Private Anbieter sind häufiger spezialisiert, gemeinnützige breiter aufgestellt
Gelten für private Spitex dieselben Regeln wie für die öffentliche?
Ja. Private und gemeinnützige Spitex-Organisationen brauchen dieselbe kantonale Zulassung, unterstehen derselben Aufsicht und erhalten von der Krankenkasse dieselben Beiträge. Die Zulassungsvoraussetzungen stehen für alle in Art. 51 der Verordnung über die Krankenversicherung: kantonale Zulassung, kantonaler Leistungsauftrag, festgelegter Tätigkeitsbereich, Fachpersonal mit passender Ausbildung, die nötigen Einrichtungen und der Nachweis der Qualitätsanforderungen. Die Kantone bezeichnen eine Behörde, die zugelassene Organisationen beaufsichtigt. Bei Verstössen kann sie verwarnen, büssen oder die Zulassung entziehen. Auch die Kassenbeiträge sind gleich und schweizweit einheitlich: 76.90 Franken pro Stunde für Abklärung und Beratung, 63.00 Franken für Behandlungspflege und 52.60 Franken für Grundpflege (Art. 7a der Krankenpflege-Leistungsverordnung, Stand August 2026). Ob eine Organisation gemeinnützig und subventioniert oder privat geführt ist, spielt für diese Beiträge keine Rolle. Sie dürfen Ihre Spitex frei wählen, solange sie zugelassen ist. Fragen der Restfinanzierung klären Sie am besten vorab mit Ihrer Wohngemeinde.
Was ist der Unterschied zwischen privater und öffentlicher Spitex?
Der Unterschied liegt bei Versorgungspflicht, Restfinanzierung und Spezialisierung, nicht bei Kosten oder Qualitätsvorgaben. Gemeindespitexen müssen meist alle Menschen in ihrem Gebiet aufnehmen, private Anbieter können auswählen. Eine Gemeindespitex hat in der Regel einen Versorgungsauftrag. Sie übernimmt auch komplexe und unrentable Fälle und stellt Nacht- und Wochenenddienste sicher. Bei der Restfinanzierung unterscheiden Kantone und Gemeinden meist zwischen Organisationen mit und ohne Leistungsvereinbarung. Ohne Vereinbarung ist der Gemeindebeitrag auf das kantonale Normdefizit begrenzt, die Differenz trägt die Organisation. Für Angehörigenpflege liegt dieses Normdefizit im Kanton Zürich bei 15.75 Franken pro Stunde (Stand August 2026). Private Anbieter sind häufiger auf ein Gebiet spezialisiert, etwa auf psychiatrische Pflege oder Angehörigenpflege. Der Bundesrat stellte in seinem Bericht vom 15. Oktober 2025 fest, dass über 90 Prozent der angestellten pflegenden Angehörigen bei privaten Anbietern arbeiten. Kleinere Organisationen arbeiten oft mit festen Bezugspersonen.
Drei Fragen an jede Anbieterin
Diese Fragen trennen tragfähige Angebote von schwierigen, unabhängig von der Trägerschaft:
1. Beschäftigen Sie eigenes diplomiertes Pflegefachpersonal? Ohne dieses kann eine Organisation weder Behandlungspflege erbringen noch angestellte Angehörige begleiten. 2. Decken Sie Behandlungspflege, Wochenenden und Ferien ab? Der Bundesrat hält es für weder zweckmässig noch wirtschaftlich, wenn eine zweite Organisation nur für die Behandlungspflege zugezogen werden muss. 3. Wird mir über die Patientenbeteiligung hinaus etwas verrechnet? Lassen Sie sich die Antwort schriftlich geben, getrennt nach Pflege und Hauswirtschaft.
Wie stark ist die Anstellung pflegender Angehöriger gewachsen?
Stark: 2024 waren bei den befragten Spitex-Organisationen neunmal mehr pflegende Angehörige angestellt als 2022. Das zeigt eine Umfrage des Büros BASS im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit (Schlussbericht vom 26. Mai 2025). Die Vollzeitstellen stiegen im selben Zeitraum von 118 auf 614. Die abgerechneten Stunden Grundpflege wuchsen von rund 162'000 auf über 1'043'000. Ein beachtlicher Teil geht auf eine einzige Organisation zurück, die 2023 startete und 2024 knapp 45 Prozent des gesamten Pensums auf sich vereinte. Laut Bundesrat arbeiten über 90 Prozent der angestellten Angehörigen bei privaten Anbietern. Das hat die Politik aufmerksam gemacht. Der Kanton Zürich hat 2025 präzisiert, welche Ausbildung und Begleitung er verlangt, und das Normdefizit für Angehörigenpflege auf 15.75 Franken pro Stunde gesenkt. Die Gesundheitsdirektion begründet das mit tieferen Kosten, weil Wegzeiten wegfallen, und mit dem Ziel, Fehlanreize abzubauen. Für Familien heisst das:
Das Tandem-Modell
Es gibt einen dritten Weg zwischen Konkurrenz und Trennung: die Kooperation zwischen privater und gemeindlicher Spitex. Die Gemeindespitex behält die Versorgungsverantwortung, der private Partner bringt spezialisierte Angebote ein. So arbeiten wir bei PRICA. Der Vorteil für Sie ist praktischer Natur: Sie erhalten Grundpflege, Behandlungspflege und Angehörigenanstellung aus einer koordinierten Hand statt von zwei Organisationen, die sich abstimmen müssen.
Kantonaler Geltungsbereich
Die Angaben zu Normdefizit und Restfinanzierung beziehen sich auf den Kanton Zürich, Stand August 2026. Die Zulassungs- und Aufsichtsregeln nach KVG und KVV gelten schweizweit, ihre Umsetzung ist jedoch kantonal unterschiedlich.
Unsicher, welche Lösung passt?
Wir sagen Ihnen auch, wenn eine andere Organisation besser geeignet ist.
Häufige Fragen
Muss ich die Spitex frei wählen können?
Ja, die Wahl des zugelassenen Leistungserbringers steht Ihnen offen. Fragen der Restfinanzierung klären Sie am besten vorab mit Ihrer Wohngemeinde.
Ist private Spitex schneller verfügbar?
Oft ja, weil kleinere Organisationen flexibler disponieren. Eine Garantie ist das nicht.
Können zwei Organisationen gleichzeitig tätig sein?
Gesetzlich ist es nicht verboten, aber der Bundesrat rät davon ab: Doppelte Abklärungen, Koordinationsaufwand und Informationslücken gehen zulasten von Qualität und Wirtschaftlichkeit.



