Der Anlass ist oft derselbe: ein Spitalaustritt, ein Sturz, eine Diagnose. Innerhalb weniger Tage steht die Frage im Raum, ob ein Mensch zu Hause bleiben kann. «24-Stunden-Betreuung» klingt dann nach der Lösung. Was sich hinter dem Begriff verbirgt, unterscheidet sich jedoch erheblich: rechtlich, finanziell und in der Qualität.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Krankenkasse zahlt Pflege, nicht Präsenz oder Betreuung
- Live-in-Betreuung und Spitex-Pflege sind zwei verschiedene Dinge und werden oft kombiniert
- Hilflosenentschädigung und Ergänzungsleistungen kommen zur Krankenkasse dazu und werden oft übersehen
- Seit Dezember 2025 hält eine Bundesverordnung fest: Eine einzelne, über einen Personalverleih angestellte Person darf keine 24-Stunden-Betreuung leisten
- Bei Nachtpräsenz und fortgeschrittener Demenz stösst das Modell an Grenzen
Was kostet 24-Stunden-Betreuung zu Hause?
Einen Pauschalpreis gibt es nicht. Die Kosten hängen davon ab, wie viel der Rundumbetreuung Pflege ist und wie viel Präsenz, Betreuung und Haushalt. Nur den Pflegeanteil finanzieren Krankenkasse und Gemeinde mit. Die Krankenkasse zahlt fixe Beiträge pro Stunde, etwa 52.60 Franken für Grundpflege und 63.00 Franken für Behandlungspflege (Art. 7a der Krankenpflege-Leistungsverordnung). Die Restkosten übernimmt die Wohnsitzgemeinde. Sie selbst tragen im Kanton Zürich eine Patientenbeteiligung von 7.65 Franken pro Pflegetag (Stand August 2026). Präsenz, Nachtwache ohne Pflegeleistung, Betreuung und Haushalt zahlen Sie dagegen grundsätzlich selbst. Eine Live-in-Betreuungsperson finanziert der Haushalt vollständig. Entlastung bringt die Hilflosenentschädigung. Die AHV zahlt sie nach Merkblatt 3.01 (Stand 1. Januar 2026) je nach Grad mit 252, 630 oder 1'008 Franken pro Monat, unabhängig von Einkommen und Vermögen. Reichen Rente und Vermögen nicht, kommen Ergänzungsleistungen dazu. Bei hohem Präsenzbedarf und wenig Pflegebedarf ist ein Pflegeheim oft günstiger.
Die drei Modelle
Spitex-Einsätze plus Angehörige. Mehrere Einsätze täglich für Grund- und Behandlungspflege, dazwischen übernehmen Angehörige. Die pflegerischen Anteile sind über die Krankenkasse mitfinanziert. Das ist das häufigste und meist günstigste Modell; es setzt voraus, dass jemand aus dem Umfeld verfügbar ist.
Live-in-Betreuung. Eine Betreuungsperson wohnt im Haushalt. Sie leistet Präsenz, Haushalt und Alltagsbegleitung, in der Regel aber keine Pflege im Sinne des Gesetzes. Diese Kosten trägt der Haushalt vollständig selbst. Häufig wird die Live-in-Kraft über ein Personalverleihunternehmen vermittelt.
Kombination aus Spitex und Betreuung. Pflegerische Leistungen über eine zugelassene Spitex-Organisation, Betreuung und Haushalt über eine separate Vereinbarung oder Angehörige. Aufwendiger in der Koordination, dafür sauber getrennt in der Abrechnung.
Darf eine einzelne Person 24 Stunden am Stück betreuen?
Nein. Seit dem 1. Dezember 2025 hält die Verordnung 2 zum Arbeitsgesetz in den Artikeln 17a bis 17e ausdrücklich fest, dass eine einzelne Person keine 24-Stunden-Betreuung leisten darf. Die Regeln gelten schweizweit für Betreuungspersonen in Privathaushalten, die über einen Personalverleih angestellt sind. Vorausgegangen ist ein Urteil des Bundesgerichts vom Dezember 2021 (2C_470/2020). Es hat entschieden, dass für diese Betreuungspersonen das Arbeitsgesetz gilt. Bei direkter Anstellung durch den Privathaushalt gilt es dagegen nicht. Die neuen Sonderbestimmungen regeln Arbeits- und Ruhezeiten. Wer tatsächlich rund um die Uhr Präsenz braucht, braucht also mehrere Personen, die sich ablösen. Ein Angebot mit einer einzigen Betreuungsperson, die Tag und Nacht zuständig ist, ist mit diesen Regeln nicht vereinbar. Prüfen Sie bei jeder Live-in-Lösung, wer die Betreuungsperson anstellt und wie die Ruhezeiten geregelt sind. Die 24-Stunden-Pflege von PRICA leistet deshalb immer ein Team mit festen Bezugspersonen.
Was wir nicht anbieten
Wir sind eine Spitex-Organisation, keine Live-in-Vermittlung. Wenn Sie eine Betreuungsperson suchen, die im Haushalt wohnt und rund um die Uhr anwesend ist, sind wir dafür nicht die richtige Adresse. Wir sagen das lieber im ersten Gespräch als im dritten.
Was wir leisten: pflegerische Versorgung zu Hause, die 24-Stunden-Pflege zu Hause im Team mit festen Bezugspersonen nach individueller Offerte, Beratung zur Finanzierung, Anstellung pflegender Angehöriger und die Koordination mit der Gemeindespitex.
Zahlt die Krankenkasse eine 24-Stunden-Betreuung?
Nein, nur die Pflegeleistungen darin. Die Krankenkasse leistet Beiträge an Abklärung und Beratung, Behandlungspflege und Grundpflege nach Art. 7 der Krankenpflege-Leistungsverordnung, nicht an Präsenz, Betreuung oder Haushalt. Auch bei umfassendem Betreuungsbedarf werden deshalb nur die tatsächlichen Pflegeminuten vergütet. Eine Nachtwache zahlt die Kasse nur, soweit in der Nacht tatsächlich Pflege anfällt, etwa Lagern oder Hilfe beim Toilettengang. An den Pflegeanteil zahlt die Krankenkasse fixe Beiträge, zum Beispiel 52.60 Franken pro Stunde Grundpflege, die Restkosten trägt die Wohnsitzgemeinde. Für Betreuung und Haushalt gibt es im Kanton Zürich eine Ausnahme (Stand August 2026): Gemeinden können hauswirtschaftliche und betreuerische Leistungen mitfinanzieren, wenn sie für den Alltag nötig sind und die Spitex-Organisation einen Auftrag der Gemeinde hat. Diese Möglichkeit wird oft nicht genutzt. Fragen Sie danach, wir klären mit Ihnen, ob das in Ihrer Gemeinde möglich ist. Wird Ihnen eine Rundumbetreuung als weitgehend kassenfinanziert angeboten, lassen Sie sich die Aufteilung zwischen Pflege und Betreuung schriftlich zeigen.
Woher das Geld sonst kommt
Hilflosenentschädigung. Eine Geldleistung von AHV, IV, Unfall- oder Militärversicherung für Menschen, die für die alltäglichen Lebensverrichtungen dauernd auf Hilfe Dritter oder auf persönliche Überwachung angewiesen sind. Sie wird unabhängig von den effektiv entstehenden Kosten ausgerichtet. Das Bundesgericht hat 2024 bestätigt, dass sie neben den Pflegebeiträgen der Krankenkasse bezogen werden darf, ohne dass eine Überentschädigung vorliegt.
Ergänzungsleistungen zur AHV und IV, wenn Rente und Vermögen den Bedarf nicht decken.
Betreuungsgutschriften der AHV für Angehörige, die Verwandte in auf- oder absteigender Linie oder Geschwister mit Anspruch auf Hilflosenentschädigung betreuen. Der Anspruch muss jährlich schriftlich geltend gemacht werden.
Anstellung pflegender Angehöriger für den pflegerischen Anteil, sofern ein entsprechender Bedarf ermittelt wurde.
Live-in-Betreuende
Als Live-in-Betreuende gelten Personen, die im Haushalt der betreuten Person leben und dort Betreuung, Alltagsunterstützung und hauswirtschaftliche Leistungen erbringen. Das Bundesgericht hat 2021 entschieden, dass für im Personalverleih angestellte Betreuungspersonen in Privathaushalten das Arbeitsgesetz gilt, bei direkter Anstellung durch den Privathaushalt hingegen nicht. Seit dem 1. Dezember 2025 gelten dafür Sonderbestimmungen zu Arbeits- und Ruhezeiten (Art. 17a–17e der Verordnung 2 zum Arbeitsgesetz, ArGV 2). Wer eine Live-in-Lösung erwägt, sollte prüfen, welches Modell vorliegt und wie Ruhezeiten geregelt sind.
Wo das Modell an Grenzen stösst
- Nächtliche Unruhe und Weglauftendenz. Eine einzelne Betreuungsperson kann keine durchgehende Nachtwache leisten und gleichzeitig tagsüber arbeitsfähig sein. Hier braucht es entweder mehrere Personen oder ein anderes Setting.
- Medizinisch instabile Situationen. Häufig wechselnde Medikation, Wundversorgung oder Sondenernährung erfordern regelmässige fachpflegerische Präsenz.
- Überforderung des Umfelds. Wenn Angehörige seit Monaten keine Nacht durchschlafen, ist mehr Betreuung nicht automatisch die Lösung. Entlastungsangebote und Tagesstrukturen kommen dann oft zuerst.
- Bauliche Gegebenheiten. Ein Badezimmer im dritten Stock ohne Lift setzt einer häuslichen Versorgung eine harte Grenze.
Ein Pflegeheim ist keine Niederlage. Es gibt Situationen, in denen es die sicherere und für alle Beteiligten bessere Lösung ist.
Kantonaler Geltungsbereich
Die Angaben zu Patientenbeteiligung und Restfinanzierung in verlinkten Beiträgen beziehen sich auf den Kanton Zürich, Stand August 2026. Ansprüche auf Hilflosenentschädigung und Ergänzungsleistungen richten sich nach Bundesrecht, die Abklärung erfolgt über die kantonale Ausgleichskasse.
Akute Situation nach einem Spitalaustritt?
Wir klären mit Ihnen, was in den nächsten Tagen organisiert werden muss.
Häufige Fragen
Ist 24-Stunden-Betreuung günstiger als ein Pflegeheim?
Das hängt vom Betreuungsbedarf ab. Bei hohem Präsenzbedarf und wenig Pflegebedarf ist ein Heim oft günstiger: Dort verteilen sich die Kosten der Betreuung auf viele Bewohnerinnen und Bewohner. Reichen Rente und Vermögen nicht, decken Ergänzungsleistungen die Heimtaxe.
Zahlt die Krankenkasse eine Nachtwache?
Nur, soweit in der Nacht tatsächlich Pflegeleistungen nach KLV erbracht werden. Reine Anwesenheit ist keine Kassenleistung.
Wie schnell lässt sich das organisieren?
Pflegerische Leistungen lassen sich meist innerhalb weniger Tage aufgleisen, sofern eine Bedarfsermittlung möglich ist. Betreuungslösungen brauchen in der Regel länger.
Können Angehörige die Betreuung übernehmen und dafür bezahlt werden?
Für den pflegerischen Anteil ja, über eine Anstellung. Reine Betreuung ist über die Krankenversicherung nicht finanzierbar.



